Nordeuropa 2009: Abisko - Rognan (18.3. und 19.3.)

Von

Mittwoch, 18.3.2009
Text: David Gubler
Heute morgen hatten wir vor, als erstes die doppelte Kreuzung in Abisko zwischen einem leeren und einem vollen Erzzug sowie dem Nachtzug zu fotografieren, die kurz nach acht hätte stattfinden sollen. So standen wir heute etwas später auf, erst um viertel vor acht, und machten uns sogleich auf zum Bahnhof.
Zu unserer Überraschung stand dort bereits ein Fahrleitungs-Fahrzeug der Banverket, basierend auf einem umgebauten Y8-Schienenbus, auf Gleis drei. Verwundert waren wir nicht zuletzt darum, weil die beiden Erzzüge wohl kaum auf Gleis eins und zwei kreuzen würden (eins ist am Perron, zwei das Durchfahrtsgleis).
Eigentlich hätte als erstes der leere Erzzug von Björkliden her einfahren sollen, aber stattdessen wurde das Ausfahrtssignal Seite Björkliden grün und ein voller Erzzug aus Kiruna, bespannt mit Dm3, fuhr durch. Somit war auch klar, dass die Kreuzung nicht wie geplant stattfinden wird. Mehr schlecht als recht machten wir ein Foto der Dm3 mit der Lapporten im Hintergrund.
Dm3 1246 der MTAB in Abisko Östra

Wenig später kam der Nachtzug, der allerdings auch gleich weiter fuhr, ohne eine Kreuzung abzuwarten. Der leere Zug war also schon durch, kam gar nicht oder würde einige Zeit nicht kommen, da der Nachtzug in Abisko Touriststation noch einige Minuten Aufenthalt hat und dann erst bis Björkliden fahren muss, bevor aus dieser Richtung wieder irgendwas kommen kann.
Inzwischen war aber die Sonne ganz zwischen den Wolken hervor gekommen und so wechselten wir auf die gegenüberliegende Seite, um richtig im Licht zu stehen, sollte der Erzzug doch noch kommen. Das Banverket-Fahrzeug war inzwischen in Richtung Björkliden losgefahren, allerdings nur im Schritttempo und offenbar ohne gestellte Fahrstrasse, denn der Bahnübergang war offen. Weiter als bis zur Weiche des Durchfahrtsgleises fuhren sie aber nicht, sondern kehrten um und fuhren langsam, zwischendurch immer wieder anhaltend, ans andere Ende wo wir standen, wieder bis auf die Weiche; der Zweck des Ganzen erschloss sich uns nicht. So machten wir halt ein Sonnenbild (!) des Fahrzeugs...
LVM der BV in Abisko Östra

... und fuhren zurück, um das Morgenessen nicht zu verpassen.
Das Wetter war auch heute wieder launisch, daher waren wir uns nicht so ganz im Klaren, was wir tun sollten; da wir aber am vorherigen Tag wettermässig bei ähnlicher Wetterlage gute Erfahrungen zwischen Kaisepakte und Stenbacken gemacht haben (wenn auch ohne Zug-Glück), wollten wir es heute nochmals probieren.
Irgendwann vor neun fuhren wir dann los an die uns inzwischen gut bekannte Fotostelle mit dem Torneträsk im Hintergrund. Das Wetter sah erst mal ziemlich schlecht aus, der Himmel war rund herum wolkenverhangen, ein kalter Wind blies und zwischendurch schneite es auch.
Beim ersten Personenzug aus Kiruna um halb elf war es dann auch bewölkt und finster...
Rc6 1330 der SJ zwischen Kaisepakte und Stenbacken

... aber schon beim nachfolgenden Erzzug mit IORE drückte die Sonne etwas durch.
IORE 114 der MTAB zwischen Kaisepakte und Stenbacken

Aber eigentlich warteten wir auf das, was uns gestern verwehrt blieb: Ein Erzzug aus Narvik mit Blick auf den Torneträsk.
Zuerst war jedoch noch der Tagzug in Richtung Kiruna dran; heute leider im Wolkenschatten, was uns aber aufgrund des gestern gut geglückten Bildes wenig ärgerte.
Etwas mehr als eine halbe Stunde später dann, der Blick zum Himmel liess uns zweifeln dass daraus etwas wird, kündigte sich am anderen Berghang tatsächlich eine IORE mit Erzzug an. Bange Minuten später, die Sonne lugte noch immer zwischen den Wolken hervor, fuhr der Zug bei uns vorbei, sogar mit wunderbar schneeverzierter Lok! Endlich hatte sich das Warten wenigstens mal gelohnt!
IORE 117 der MTAB zwischen Kaisepakte und Stenbacken

Langsam gings nun aber mit dem Wetter wieder abwärts, um den Berg herum, vor dem wir standen, entstanden wieder Wolken und verwehrten uns den Sonnenschein; Ausserdem würde der nächste Personenzug sowieso aus der falschen Richtung kommen. So gingen wir, wie gestern (allerdings diesmal zu Fuss), zur nächsten Fotostelle in Richtung Kiruna bei einem kleinen See. Etwas später kam der Zug auch wirklich, und heute klappte es auch (einigermassen) mit der Sonne, im Gegensatz zu gestern.
Rc6 1328 der SJ zwischen Kaisepakte und Stenbacken

Ein weiterer Erzzug aus Kiruna, seit dem letzten waren fast vier Stunden vergangen, wollte allerdings nicht vorbei kommen. Dafür kam einer aus Narvik, mit Dm3 bespannt, an unserem Standort war allerdings nicht viel zu wollen. Da es inzwischen auch hier finster war, machten wir uns auf den Rückweg, wobei die imposanten Wolkenformationen am Torneträsk auch noch fotografiert werden wollten.
Zwischen Stordalen und Kaisepakte

Kurz vor Abisko schien dann plötzlich wieder die Sonne, allerdings war aufgrund der Wolken klar, dass in Abisko selbst nichts zu machen war. So liefen wir stattdessen zur uns bekannten Hütte „Solbacken“, wo die Strecke tatsächlich noch im Sonnenlicht lag und ein Erzzug mit Tele noch ganz vernünftig ausgesehen hätte. Es kam aber leider keiner, dafür der Nachtzug von hinten, der allerdings dank Schneegestöber und etwas Rest-Sonnenlicht auch noch ein witziges Bild ergab.
Rc6 1330 der SJ zwischen Abisko und Stordalen

Kaum machten wir uns auf den Weg zum Auto, kam allerdings der nächste Zug aus Abisko, diesmal zu unserem Erstaunen mit einer Green Cargo-Rc, einem Personenwagen für das Personal (so sparen sich private Betreiber die Infrastruktur...) sowie diversen Auto-Transportwagen. Es handelte sich dabei um den heute planmässigen CargoLink-Güterzug, der allerdings vorzeitig unterwegs war.
Nach einem kurzen Einkauf gabs noch ein feines Nachtessen im einzigen (?) Restaurant in Abisko, danach gings zurück in den Touristenbunker.

Donnerstag, 19.3.2009
Text: Nil Bechtiger (www.bahnpics.com)
Wechseltag, oder doch nicht? Wir waren uns überhaupt nicht sicher, ob wir wirklich wechseln wollten oder sollten. Die Grundproblematik bestand im Wochenende, denn dann war an der Nordlandsbahn, unserem nächsten Ziel, nichts zu wollen. Einerseits läuft im P etwas weniger und der einzige wirklich fotogene Güterzüg läuft gar nicht.
Wenn wir wechseln würden dann benötigten wir den ganzen Tag, bliebe also nur der Freitag auf dem Saltfjell. Falls das nichts würde wegen Wetter oder dergleichen hätten wir Pech gehabt, weil verlängern keinen Sinn macht. Danach würden wir sicher am Samstag und Sonntag nach Dombås fahren, da dies etwas zu weit für einen Tag wäre, notfalls aber machbar. So hätten wir Montag und Dienstag auf dem Dovrefjell und danach könnten wir gemütlich weiter nach Sundsvall.
Die Alternative war, noch bis und mit Samstag hier auf der Erzbahn sitzen, bei sehr bescheidenem vorhergesagtem Wetter; Danach am Sonntag runter, so dass wir am Montag und vielleicht noch Dienstag Zeit fürs Saltfjell gehabt hätten. Danach hätten wir am Mittwoch nach Dombås heizen müssen, Donnerstag und Freitag dort Zeit gehabt und am Samstag nach Sundsvall fahren müssen. Das klang nach Stress, war uns aber prinzipiell egal.
Mit dieser Frage beschäftigten wir uns seit dem Aufstehen, über das Frühstück und dann auch im Zimmer. Bis 10 Uhr mussten wir uns entschieden haben, denn dann war Check-Out Time. Um genau 10 vor 10 fiel dann die Wahl gegen die Erzbahn, auch wenn nur sehr knapp... wir schwankten beide hin und her und schlussendlich war wohl die Gemütlichkeit der ausschlaggebende Punkt.
Also räumten wir unseren Kram zusammen und fuhren los, zwar mit einer leuchtenden Zapfsäulensymbol im Auto, David war das aber egal, Narvik war ja nicht weit.
Das Wetter war extrem garstig, es windete und schneite stark, was zu ganz lustigen Strassenverhältnissen führte. Unterwegs begegneten wir noch einer ziemlich eindrücklichen Schneeschleuder, welche gerade dabei war Parkplätze wieder frei zu machen... ja, so viel Schnee hatte es, vor allem um Riksgränsen war es extrem.
Rutschend erreichten wir dann Narvik, tankten und schauten ob wir am Bahnhof noch Eisenbahnpostkarten kriegen würden, erfolglos.
Weiter ging es dann im Tauwetter und bei sehr tief hängenden Wolken nach Süden auf der E6, auf welcher wir trotz streckenweise völlig vereister Fahrbahn wohl schneller voran kamen als dies im Sommer bei bestem Wetter möglich gewesen wäre, weil wir praktisch alleine waren. Sobald die Strasse vom offenen Meer weg und etwas in die Höhe ging, was häufig der Fall war, war die Strasse mit Eis und Neuschnee bedeckt, denn zwischenzeitlich hatte es wieder begonnen stark zu schneien.
Als wir am Fährenterminal angelangt waren stand keine Fähre da und nur wenige wartende Autos. Wir stellten uns auf dem völlig verschneiten Platz irgendwo an den Rand und warteten mal, Bodenmarkierungen sahen wir dank dem Neuschnee keine mehr.
Es dauerte nicht lange, vielleicht 5min, da legte die Fähre an und leerte sich alsbald. Als erster fuhr ein Tank-LKW drauf, wir wollten hinterher, wurden aber zurückgewiesen... aha, jetzt wird erst mal getankt. Dieser an sich simple Vorgang dauerte über 30 Minuten, bis anscheinend ein ganzer Tanker voller Diesel ins Schiff gepumpt war.
Noch auf dem "Trockenen" wurde kassiert, bei sehr starkem Schneefall, was dem Kassier das ein oder andere Fluchwort entlockte. Zu allen Überfluss waren dann noch die Batterien von seinem Kasten leer und er musste erst Ersatz besorgen.
Die Überfahrt dauerte nicht lange, gesehen hat man jedoch nur 20 Meter weit an die nächste Nebelwand. Schade, die Aussicht wäre ansonsten sicher grandios.
Drüben angelegt ging es als erster der ganzen Kollone wieder auf der E6 weiter in Richtung Süden, bei sehr prekären Strassenverhältnissen - massiv schlechter als zuvor... und ich dachte immer, die E6 müsste doch prima geräumt sein! Bei teilweise starken Steigungen konnte man nur hinauf schlittern und hoffen, dass man nicht zuviel Tempo verliert. Ohne Spikes wäre die Strecke nicht passierbar gewesen! Nach langen 170km erreichten wir gegen 16 Uhr Fauske.
Am Bahnhof versorgte wir uns kurz mit Fahrplänen und stellten dabei fest, dass der Tagzug von Trondheim in 45min kommen musste. Für diesen stellten wir uns dann auf dem Weg nach Rognan an einen Fjord mit Dorf. Als wir da so standen begann es vertraut zu grummeln, unverkennbar eine Di4, jaaaaa! Das Bild selber war (dank starkem Schneefall, Nebel und grossem Abstand zum Zug) aber, gelinde gesagt, für die Tonne... massiv ;)
Di 4 der NSB zwischen Fauske und Rognan

In Rognan, dem letzten grösseren Ort vor dem Fjell, kannten wir von einem Bekannten her einen Campingplatz mit Hütten, welcher auch im Winter geöffnet haben sollte.
Mein Navi kannte den Platz ebenfalls und so fuhren wir schnurstracks da hin. Wir fanden nach etwas suchen auch die Reception in einem Wohnhaus. 680 Kronen kostete uns der Spass pro Nacht, für eine Hütte mit Klo, Dusche und Küche annehmbar, nur Internet gab es keins, was David etwas Sorgen bereitete ;)
Nach dem Besichtigen ging es erstmal zum Bahnhof von Rognan, mal die Lage anschauen, ob wir vielleicht mit Stativ ein Foto vom Nachtzug schiessen könnten. Aber gerade als wir auf den Bahnhofsplatz fuhren begann es zu regnen, stark zu regnen. So stiegen wir nicht aus und schauten einem Talent nach Bodø aus dem Auto hinaus zu.
In der Stadt suchten wir uns anschliessend etwas zu Essen, was wir nach zwei Anläufen auch fanden. Viel los war in diesem Rognan nicht, so waren wir froh, überhaupt etwas gefunden zu haben. Zurück in der Hütte vergnügten wir uns dann mit OpenTTD auf dem Laptop und gingen gleich ins Bett, denn morgen wollten wir um 7 auf dem Fjell den Nachtzug erlegen... bei einer Anfahrt von einser Stunde bedeutete das ein Aufstehen um halb 6, ob wir das schaffen... ich glaube nicht ;)