Bergenbahn 2014: Auf in den Norden!

Von

Prolog
Für den ferienmässigen Abschluss dieses Jahres suchten wir nach einem Reiseziel. Die Bergenbahn im Herbst zu besuchen stand schon länger auf meiner Wunschliste. Pascal liess sich schnell davon überzeugen; zeitlich waren wir jedoch auf seine Ferien eingeschränkt. Ich wäre eigentlich lieber zwei Wochen früher gegangen, da ich die Befürchtung hatte, dass der Herbst dort bereits zu weit fortgeschritten sein könnte; aber tja, das wäre dann halt Pech, wir würden sehen.

Eine weitere Einschränkung war, dass ich am Wochenende von 26. bis 28. September 2014 noch eine Modelleisenbahnausstellung zu bestreiten hatte, die ich nicht ausfallen lassen wollte.

Es ging also erst mal an die Planung. Schnell war klar, dass wir die Hin- und Rückfahrt möglichst per Nachtzug zurücklegen wollten, zumal diesen ja ein regelrechter Kahlschlag bevorsteht. Für den Nachtzug nach Kopenhagen würde es mir am Sonntag Abend aber sicher nicht mehr reichen; also konnten wir entweder am Montag Vormittag gehen und dann den ganzen Tag im ICE in Richtung Norden sitzen, oder dann am Montag Abend auf den Nachtzug nach Kopenhagen. Ich hatte dann aber doch noch eine bessere Idee: Wieso nicht nach Hamburg, dort montags das MiWuLa besuchen, und anschliessend in Kopenhagen übernachten? Der Clou dabei war, dass der Nachtzug nach Hamburg Zürich erst um 20:42 verliess (jener nach Kopenhagen verliess Basel bereits 18:26), was mir die nötige Zeit gab. Anschliessend sollte es mit dem ICE-TD via Puttgarden (Fähre) nach Kopenhagen gehen, am nächsten Morgen via Stockholm nach Oslo, und danach mittels Nachtzug nach Bergen (eine Übernachtung in Oslo wäre kaum günstiger gewesen, und einiges an Fahrdistanz sparten wir uns so auch). Die Rückreise sollte direkt ab Bergen via Oslo – Göteborg – Kopenhagen – Nachtzug nach Basel erfolgen.

Gesagt, gebucht: Nach einer guten halben Stunde Wartezeit im Reisebüro in Zürich belästigte ich den guten SBB-Mitarbeiter eine geschlagene Dreiviertelstunde, bis wir alle Reservationen zum Interrail hatten. Interrail deshalb, damit wir die Flexibilität hatten, um umplanen zu können, falls irgendwas nicht klappen sollte; preislich rechnete ich aufgrund der happigen Zuschläge für die Nachtzüge wohl eher mit einem Verlustgeschäft. Immerhin konnten wir so aber als Schlechtwetterprogramm noch etwas Zug fahren gehen.

Apropos Schlechtwetter: Die Vorfreude auf die Reise wurde schon mal dadurch gedämpft, dass in quasi ganz Norwegen für die nächsten 7 Tage ausschliesslich (!) Regenwetter zu erwarten war. Grossflächig. Uäks.


Sonntag, 28.09.2014

S3 18384 Effretikon ab 20:10, Zürich HB an 20:26
Nachdem ich meinen Koffer schon über die Treppen des Bahnhofs Effretikon schleppen durfte, erfreute ich mich anschliessend am nicht vorhanden Niederflur-Wagen des DPZ. Man ist an den Niederflurwagen ja erst seit etwa vier Jahren am bauen... Immerhin, die Hauptaufgabe, mich pünktlich nach Zürich zu bringen, erfüllte die S3 hervorragend.

CNL 478 „Komet“ Zürich HB ab 20:42, Hamburg Hbf an 08:36
Nachdem Pascal schon lange vor mir am Perron war und mich mit allen Details versorgte, wo ich einzusteigen hätte, dann erst mal eine unerfreuliche Überraschung in unserem T4 (quasi ein "Restplatz-Abteil" des Doppelstockwagens): Keine Chance, die Koffern irgendwo zu verstauen. Wer mehr als ein Beauty-Case dabei hatte, hatte ein Problem. Auch sonst war im Wagen kein Stauraum für Gepäck aufzufinden; in den Nachbarwagen hätte es teilweise Platz gehabt, aber den Koffer irgendwo sonst im Zug liegen zu lassen war angesichts dessen, dass der Zug geflügelt wurde, auch nicht die beste Idee. So standen die Dinger halt erst mal im Abteil herum.
Pünktlich gings los. Da ich aufgrund meiner knappen Zeitplanung noch nichts gegessen hatte, wollten wir mal den gemäss SBB-Fahrplan vorhanden Speise- oder Bistrowagen aufsuchen... nur um vom Zugbegleiter zu erfahren, dass es sowas nicht gäbe. Das Einzige, was es gab, war eine behelfsmässige Küche in unserem Wagen, wo er ein paar Dinge in der Mikrowelle zubereiten konnte. Tolle Wurst.
Unterdessen wurde uns lang und breit erklärt, dass man im WC nicht rauchen dürfe, sonst würden die Detektoren das melden. Ach ja und Haarspray dürfe man auch nicht benutzen, denn das würden die Detektoren auch melden. Und Deospray natürlich auch nicht. Die Rauchmelder waren wohl im Baumarkt gerade Aktion. Vielleicht waren es auch eigentlich gar keine Rauchmelder, sondern Haarspray-Melder.
Bald erreichten wir Basel, wo ich während des 25-Minuten-Aufenthaltes kurz den lokalen Burgerbrater aufsuchte, um ein Nachtessen zu kaufen. Wenn die Bahn nicht will... jänu.
In Deutschland kriegten wir noch zwei unauffällige Mitreisende, aber ansonsten war die Nacht sehr ereignislos. Ich schlief nicht wirklich gut, aber das ist bei mir bei der ersten Nacht einer solchen Reise normal.


Montag, 29.09.2014

Hamburg erreichten wir ohne nennenswerte Verspätung. Nachdem die Koffern im Schliessfach verstaut waren, fragten wir mal an der Information, wie man denn zum MiWuLa käme; da wurde uns die U3 empfohlen. Pascal war aber der Meinung, dass es da einen direkteren Bus gäbe, den wir auch gleich fanden; nur ein Ticketautomat war nicht auszumachen. Also zurück nach unten zur U-Bahn. Da der Bus gleich fahren sollte und wir keine Lust hatten, den Ticketautomaten zu verstehen, liessen wir das nächstbeste raus, was irgendwie richtig erschien: Zwei Neun-Uhr-Tageskarten. Der Bus kam gleich und fuhr zwei Minuten vorzeitig ab.

Am Ziel angekommen gab es erst einmal ein paar Bilder von der Hoch-Untergrundbahn, ehe wir das MiWuLa stürmten. Details davon erspare ich euch, es war jedenfalls toll!

Bei Hamburg (Baumwall)

Baureihe DT3-E der HHA bei Hamburg (Baumwall)

Baureihe DT3-E der HHA bei Hamburg (Baumwall)

Bei Hamburg (Baumwall)


Ein paar Stunden später (selbstverständlich ohne „alles“ gesehen zu haben, allerdings hatte ich inzwischen Kopfschmerzen von der Lüftung und brauchte was zu Essen) gings per U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof. Nach einem kleinen Snack und nachdem wir die Koffern wieder aufgegabelt hatten suchten wir unseren ICE-TD nach Kopenhagen.

ICE-TD 37 Hamburg Hbf ab 15:28, Kopenhagen C an 20:14
„Mein“ SBB-Mitarbeiter hatte gute Plätze reserviert, vis-à-vis am Fenster (einfach Plätze mit Tischchen reservieren lassen). Allerdings war der Zug bumsvoll, und da alle reserviert hatten dauerte es natürlich seine Zeit, bis jeder an seinem Platz war, da man sich fast eine Viertelstunde lang gegenseitig behinderte. Der Zugbegleiter beschwerte sich dann mal über Pascals Interrail, da er am Datum des ersten Tages was geändert hatte, liess es dann aber gut sein.

Die Fahrt nach Puttgarden war unspektakulär, das Wetter mässig. Einzige Abwechslung war die eine oder andere Brücke, die wir überquerten, und die zwei deutschen Zollbeamten, welche verzweifelt den Besitzer eines Rucksacks suchten. Der Bahnhof Puttgarden machte einen geisterhaften Eindruck, viele Gleise und viele Perrons, das Meiste davon total überwachsen – anscheinend war genau noch ein Perron und zwei Gleise in Betrieb. Unser ICE wurde auf die Fähre verladen und wir mussten den Zug verlassen, da der Aufenthalt auf dem Fahrzeugdeck während der Fahrt verboten ist.
Die Fähre war sehr angenehm und nicht überfüllt, die 45 Minuten Fahrzeit gingen schnell vorbei. Beim Einsteigen versuchte ich es noch mit einem Bild vom Zug auf der Fähre, das Resultat mangels Zeit und insb. mangels Brennweite sehr bescheiden.

Baureihe 605 "ICE TD" der DSB zwischen Puttgarden und Rødby


Auf der dänischen Seite kam zu unserem Erstaunen noch einmal ein Kondukteur vorbei und wollte alles nochmal im Detail sehen. Dieser hatte wohl seinen schlechten Tag, und war mit Pascals Interrail gar nicht glücklich. Nachdem er einen Flyer mit den Interrail-Bedingungen hervorgekramt hatte und diesen Pascal zum lesen gab, musste Pascal mit ihm mit und bekam die Leviten gelesen. Schlussendlich musste Pascal einen weiteren Tag drauf geben, wobei das vmtl. keine Rolle spielen wird, da wir nicht vor haben, alle Tage aufzubrauchen... aber wir werden sehen.
Anschliessend halfen wir einer dänischen Familie beim Bestimmen kniffliger Landesflaggen und erreichten bald Kopenhagen. Das im Voraus reservierte Hotel Absalon war schnell gefunden und soweit ok (auch wenn eine Renovation nicht schaden würde), und nach einem Besuch in der Fussgängerzone mit einem Abend-Snack gings nun langsam aber sicher in Richtung Bett.


Dienstag, 30.09.2014

Der Wecker schmiss uns pünktlich um 07:00 aus dem Bett, und nach einem kurzen, aber guten Frühstück gings zum Hauptbahnhof. Nach dem Kauf einiger Getränke gings gleich zum Gleis 26, wo unser X2000 nach Stockholm wartete.

X2000 530 Kopenhagen C ab 08:28, Stockholm C an 13:39
Der X2000 war noch angenehm leer, wir fanden unser Viererabteil, und nach ein paar Minuten später gings schon los in Richtung Malmö. Die SJ zeigte sich grosszügig und spendierte jedem Gerät 200 MB Gratis-Internet ohne Registrierung oder solchen Unfug, was wir natürlich gerne nutzten. Wärend die Überquerung des Öresunds natürlich ein Höhepunkt war, war die Landschaft ab Malmö seit unserem letzten Besuch leider nicht spannender geworden. Die Herbstfärbung war jedoch schon schön anzusehen. Jedenfalls vergingen die fünf Stunden rasch und schon standen wir in Stockholm auf dem Perron.

Da der Himmel wolkenlos war, war waren wir wenig motiviert, unseren Aufenthalt in Stockholm mit Essen zu verbringen, zumal die Wetterprognosen für die kommenden Tage in Norwegen nach wie vor unterirdisch waren. Stattdessen verstauten wir unsere Koffer im Schliessfach, wofür zu unserer Überraschung nicht mal schwedisches Münz nötig war, da man die Schliessfächer mittels Kreditkarte bezahlen konnte. Anschliessend stellten wir uns bei der ersten der beiden Bahnhofbrücken auf.

X60 der SL in Stockholm

X2000 der SJ in Stockholm


S-Bahnen und X2000 folgten in dichtem Takt, so dass wir wenige Minuten später schon die Stellung wechseln und zur zweiten Brücke gehen konnten. Während Pascal einen Blick von weiter oben ausprobierte, blieb ich unten am Gleis, da ich ein gescheites Bild einer schwarzen Rc mit Personenwagen wollte; immerhin versprach der Fahrplan zweimal dreistellige Zugnummern, die nicht als Hochgeschwindigkeitszug markiert waren. Und genau wie gewünscht kamen die beiden Züge auch, jeweils nur drei Wagen kurz.

X2000 der SJ in Stockholm

X55 "X3000" 3356 der SJ in Stockholm

X60 6075 der SL in Stockholm

X10 3186 der SL in Stockholm

Rc6 1421 der SJ in Stockholm


Die Zeit unseres Aufenthaltes war nun aber doch schon etwas fortgeschritten, und wir wollten noch rasch zur T-Bana rüber für ein, zwei Bilder. Auch das klappte wunschgemäss.

C20 der SL in Stockholm

C20 der SL in Stockholm


Da wir nun zeitlich nicht mehr so grosszügig dran waren kamen wir auf die Idee, ab Gamla Stan die T-Bana zu nehmen, was sich als Fehler erwies. Zum Einen war der Ticketautomat etwas umständlich zu bedienen (der schlecht kalibrierte Touchscreen half auch nicht gerade), zum Anderen war die T-Centralen natürlich nicht beim Hauptbahnhof sondern ein paar hundert Meter daneben, woran ich nicht mehr gedacht hatte. Es reichte dennoch mit 10 Minuten Reserve auf den Perron für unseren nächsten Zug.

IC 55 Stockholm C ab 15:25, Oslo S an 21:24
Wie erwartet kam eine lokbespannte Komposition der SJ bestehend aus schwarzer Rc und fünf nur teilweise passenden Wagen. Auch hier hat die Platzreservation mit Tischchen einwandfrei geklappt, wir sassen im gewünschten Vierabteil. Bis Karlstad C war der Zug gut gefüllt, anschliessend nur noch etwa halbvoll. Aufgrund der späten Ankunft in Oslo suchten wir mal das Bistro auf, wo es neben Hot Dogs und Süsskrams auch Mikrowellenmenüs zu kaufen gab, natürlich inkl. bereitstehender Mikrowelle. Das rote Curry war ganz ok, wenn auch eine etwas minimalistische Portion. Wenn ich mich da an die Gourmet-Erfahrungen in SBB-Speisewagen erinnere, wo das Personal nicht mal in der Lage war die richtige Taste der Mikrowelle zu drücken, muss ich aber sagen, dass das Menü hier nicht nur besser war, sondern auch ehrlicher.

Die sechsstündige Fahrt zog sich hin, endlose Wälder zogen vorbei. Ich musste an die Truman Show denken: Man hätte nur den Zug durch ewig gleiche Kulissen ziehen müssen... ;) Schlussendlich erreichten wir Oslo aber doch noch mit ein paar Minuten Verspätung.

Da wir nun wieder etwa zwei Stunden Zeit hatten, bis unser Nachtzug fuhr, versuchten wir es mit ein paar Nachtfotos; Es war aber leider kein Zug da, der unter den Perrondächern hervorgelugt hätte, und alles Andere war dann doch relativ kompromissbehaftet (Immerhin gab es aber mein erstes Bild eines Norweger-Flirts).

BM 75 117 der NSB bei Oslo (Sentralstasjon)


Deshalb zogen wir uns bald in die Bahnhofshalle zurück für einen kleinen Abend-Snack und um das Gratis-WLAN zu nutzen.

Regiontog 605 Oslo S ab 23:23, Bergen an 6:51
Unser Nachtzug wurde bald bereit gestellt und von uns geentert. Erst mal mussten wir aber im Speisewagen vorbei um den Zimmerschlüssel abzuholen; ja richtig, trotz der kurzen Fahrzeit verfügt der Zug über einen Speisewagen, ob dieser wohl auch nur einen einzigen Gast gesehen hat?
Der Zug schien allgemein nicht gerade überfüllt. Unser Wagen war nicht gerade das neuste Modell, aber dennoch verglichen mit dem CNL eine wahre Freude: Genügend Platz fürs Gepäck beim oberen Bett, grosszügiger Gang mit Sitzgelegenheiten, genügend lange und bequeme Betten. Das grössere Lichtraumprofil hat halt so seine Vorzüge.

Aufgrund der kurzen Fahrzeit machte ich mich gleich auf ins Bett. Was würden die nächsten Tage bringen? Würden wir nur Regenwetter sehen und Dunkelbilder machen? Ihr werdet es an dieser Stelle erfahren... Gute Nacht!